1. Matinee und Soiree

Sonntag, 6. Juni 2010, 11 und 17 Uhr

Brita Ostertag und Philipp Bachofner (Flöten)
See Siang Wong am Blüthnerflügel

13.00 Uhr und 19 Uhr: »GaumenFreuden« - Lukullisches in Jürgen Eders Restaurant Eichmühle

C.P.E. Bach Trio a-moll
W. A. Mozart Sonate in C-Dur, KV 330 für Klavier solo
Friedrich Kuhlau Trio in G-dur op. 119
Anton Bernhard Fürstenau Flötenduo op. 137, Nr. 5 in B-dur
Ernesto Köhler Zweites Konzertduett über eine Melodie von Chopin
für 2 Flöten und Klavier


Wie Brita Ostertag und Philipp Bachofner zu ihren Böhm-Flöten gekommen sind – eine hübsche (erfundene) Geschichte.

von Jakob Knaus

Als der Münchner Flötist und Goldmacher-Sohn Theobald Boehm 1817 erstmals in die Schweiz kam und im Neuguet ein kleines Rezital gab, bemerkte er, dass die Gastgeber ganz besonders interessiert seine Flöte begutachteten: „Was ist das für ein Wunderding? So viele Klappen!“ und gaben sich auch als des Flötespielens kundig zu erkennen. „Ja, fuhrwerken Sie denn noch immer mit so einem Vier-Klappen-Dings herum?“ fragte der grosse Virtuose auch gar etwas herablassend, der eben ein Stück aus seinen op. 28 „Souvenirs des Alpes“ zum Besten gegeben hatte. „Damit ist es endgültig vorbei! Die Finger müssen was zum Greifen haben, dann geht’s leichter und schneller.“ Und Theobald Böhm referierte umständlich über die Vorteile der neuen Bauweise, gab aber zu, dass das noch nicht die Beste aller Lösungen sei, er sei noch am „Pröbeln“. „Ich versuche mich an einer neuen Art von Federn und Belederungen durch die Anwendung des Korkens zur Zapfenfütterung so wie eines vorschiebbaren goldenen Mundloches – und damit werde ich Verbesserungen zu erzielen suchen. Aber wenn ich das nächste Mal in die Schweiz komme, kann ich Ihnen von den Fortschritten berichten“.

Und so erreichte er es, dass er wieder eingeladen wurde. Diese Zwischenzeit bis zur nächsten Schweizerreise im Jahre 1822 nutzte er zum Bau neuartiger Maschinen, um „kleine metallene Säulen mit scharf in das Holz einschneidenden Schrauben an ihrer Basis und mit Kugeln am obern Ende, genau in der Linie des Radius, folglich ganz gerade gegen den Querschnitts-Mittelpunkt der Flöte, in diese einzuschrauben, um den Klappen der Achsen-Scharniere als Zapfenlager zu dienen; durch eine zweite Vorrichtung erzweckte ich, dass diese Achsen stets ganz genau durch das Centrum der beiden einander gegenüber stehenden Kugeln gehen mussten, und durch diese so wie mehrere andere Vorrichtungen konnte den leicht und sicher beweglichen Klappen in allen Theilen eine bedeutende Vollkommenheit bezüglich der Ausführung gegeben werden."

Anscheinend ist die Entwicklung nicht so rasch wie vorgesehen gediehen, so dass er beim nächsten Aufenthalt im Neuguet oberhalb Wädenswil nur auf technische Neuerungen verweisen konnte – allzuviel wollte er ja nicht verraten.
Im Sommer 1832 schrieb er direkt an Brita und Philipp aus München, er habe beim englischen Flötisten Nicholson bemerkt, dass dessen Ton viel voluminöser war und dies „von der ungewöhnlichen Grösse der Grifflöcher“ herrühre, und er verriet ihnen: „Ich bin daran, nochmals eine komplett neue Flöte zu entwickeln und werde Ihnen bald ein solches Instrument offerieren können.“
In seinem Buch schreibt er dazu:
Nachdem ich neuerdings verschiedene Bohrungsverhältnisse genau untersucht, mehrere Griffsysteme entworfen und ausgeführt – ja sogar schon eingeübt hatte, wählte ich zur Construction meiner neuen Flöte das von mir noch vor Ende des Jahres 1831 entworfene und gegenwärtig sehr bekannte Griffsystem mit Ringklappen als das allen Anforderungen am meisten Entsprechende.

Und so konnte Theobald Böhm* gegen den Frühling des Jahres 1835 dem Neuguet-Flötenspielerpaar mitteilen, dass er jetzt extra für sie beide zwei Exemplare aus speziellem Holz angefertigt habe; er werde sie bei der allernächsten Gelegenheit entweder selbst überbringen oder sie dem Postdienst der Thurn&Taxis übergeben – sie sind eingetroffen, allerdings erst im Jahre 2010, also 175 Jahre darnach.

* Das Klappen-System Böhm dominiert noch heute bei den Flöten und Klarinetten.

Als «feinsinnigen Klangmaler» bezeichnete die Neue Zürcher Zeitung den 1979 in Holland geborenen Pianisten See Siang Wong. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und avancierte rasch zum international gefragten Solisten, Kammermusiker und Liedbegleiter.

See Siang Wong studierte in Holland bei Marjès Benoist und in der Schweiz bei Homero Francesch und Bruno Canino. Weiterbildung in Liedbegleitung erhielt er bei Irwin Gage, Hans Adolfsen und Daniel Fueter sowie in Neuer Musik beim Komponisten Felix Baumann. Er lebt heute in der Schweiz.

Portrait-Doppel-CD Ostertag/Bachofner