2. Matinee und Soiree
Sonntag, 19. Juni 2016, 11 Uhr und 17 Uhr

«rhythm‘n‘melody»

Brita Ostertag und
Philipp Bachofner
,
Flöten

Klaus Schwärzler, Perkussion, Marimba
Raphael Christen, Marimba, Perkussion
Benjamin Forster, Perkussion
Andreas Berger, Perkussion

Waren das noch Zeiten, als wir in den Sechziger Jahren schier den Kopf verloren haben, als sechs Schlagzeuger angekündigt wurden, welche in Zürich die „Etudes choréographiques“ von Maurice Ohana aufführten! Wir haben dann später erfahren, dass Dmitri Schostakowitsch schon vierzig Jahre früher mit zweihundert Takten reiner Schlagzeugmusik in seiner Oper „Die Nase“ einen Szenenwechsel vorgenommen hat.

Heute wissen wir, dass das Arsenal der Schlagzeuger Dutzende von verschieden­artigsten Instrumenten umfasst und dass deren „Bedienung“ in ausserordentlichen Fällen die Kondition von Spitzensportlern erfordert. Das ist etwas für Auge und Ohr, das ist eine regelrechte „Show“, ein „Trommelfeuerwerk“: Zart und geheimnisvoll kann das aber auch klingen, oder eben aufdringlich scheppern und schnarren, und ein richtiger Trommelwirbel kann zum Donnergrollen anschwellen. Das alles wirkt wie herbeigezaubert, ist aber hervorgebracht durch viel Bewegung und hochentwickelte, präzise koordinierte Rhythmus-Sicherheit.

Wenn Brita Ostertag und Philipp Bachofner mit ihren Flöten noch dazukommen, entwickelt sich ein aussergewöhnlicher und spannender Dialog dieser so unterschiedlichen Instrumente. Der erfahrene Arrangeur Edward Rushton wird diese ungewöhnliche Instrumenten-Kombination in Iberts Divertissement und in einzelnen Sätzen aus Schostkowitsch’ Jazzsuiten mit Lust und einem schelmischen Augenzwinkern auszustatten wissen.

Schlagzeuger sind ja immer Solisten: Ein Pauken- oder Beckenschlag ist nicht zu überhören, ja selbst der Triangel kann über ein Orchester-Fortissimo triumphieren. Jetzt aber haben sie keine Konkurrenz, jetzt sind sie ein vielfältiges Quartett. Und alle vier sind irgendwie über Jazz, Rock, Pop oder Folk zur klassischen Musik gekommen.

Andreas Berger ist zwar in England geboren, aber in Thun aufge­wachsen, hat in München studiert und seine vielfältigen musikalischen Interessen gebündelt. Seit 1994 ist er Solo-Pauker beim Zürcher Tonhalle-Orchester.

Benjamin Forster ist in Bayern geboren, hat ebenfalls in München studiert, spielte in einem Jazztrio, begann im Alter von 16 mit der Pauke und kam 2006 in die gleiche Position nach Zürich.

Der auf das Marimbaphon spezialisierte Luzerner Raphael Christen gehört zu den vielseitigsten Musikern auf diesem Instrument. Seine Musikalität und seine stupende Technik lassen ihn Grenzen überschreiten – auch in seiner Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Besetzungen und Formationen. Er spielt zahlreiche Konzerte als Kammermusiker und Solist und hat schon mehrere Komponisten mit Aufträgen an sich gebunden.

Der aus dem Allgäu stammende Klaus Schwärzler hat 2008 den Weg als Solo-Schlagzeuger zum Tonhalle-Orchester gefunden. Zuvor aber hat er 5 Jahre lang das Pauken-und Trommel-Fell im Orchester des Opernhauses bearbeitet. Heimlicherweise spielt er wohl auch noch andere Instrumente, da er als Gründer und Leiter des Ensembles „Alpenblech“ der böhmischen Blasmusik zugeneigt ist. Seit 2008 hat er eine Professur für Schlagzeug an der Hochschule für Musik in Zürich.

Jakob Knaus