 |

Rapperswil: Brillante Barockmusik im Grossen Rittersaal
Virtuosen auf alten Instrumenten
Das zweitletzte Saisonkonzert von «Musik im Schloss» bot
brillant gespielte und virtuose Barockmusik auf alten Instrumenten.
Von Kurt Betschart
Wer Barockmusik sagt, meint oft gleichförmige, einfach gesetzte
Kompositionen mit homophonem Satzaufbau, einfach zu hören und in
die alte Zeit versetzend. Das Konzert, das am Sonntagabend im Grossen
Rittersaal im Schloss Rapperswil zu hören war, war hingegen brillant,
facetten- und variationenreich, mitreissend, virtuos und meist polyphon
gesetzt.
Was die vier Musiker des Ensembles «La Ciaccona» auf ihren Instrumenten
dem faszinierten Publikum boten, war schlicht grossartig. Maurice Steger, Blockflöte,
die Brüder Markus und Andreas Fleck, Barockvioline und Barockcello und Naoki
Kitaya, Cembalo, boten eine echte Show für Auge, Ohr und Gemüt. Vier
aussergewöhnliche Solisten, jeder anerkannter Berufsmusiker und Solist,
spielen aussergewöhnliche Musik aussergewöhnlich gut.
Durch Empfehlung verpflichtet
Der Organisator, der
Solisten wie Maurice Steger verpflichten will, muss die Gabe besitzen,
kommende Stars frühzeitig zu erkennen, bevor sie in aller
Welt in einschlägigen Kreisen bekannt und gefragt sind. So wurde Philipp
Bachofner vor anderthalb Jahren, anlässlich einer «Konzertnachlese» mit
den Brüdern Fleck, Maurice Steger empfohlen, und es gelang ihm, diesen Ausnahmeflötisten
zu engagieren. Zusammen mit ihnen und Naoki Kitaya bildet dieser das Ensemble «La
Ciaccona», ein Name, der auf eines der reichsten Genres der Kammermusik
zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert zurückführt.
Das interessante Programm versprach Musik von Georg Friedrich Händel (1685–1759),
Arcangelo Corelli (1653–1713), Giuseppe Sammartini (1678–1741) und
Antonio Vivaldi (1678–1741).
Von Händel gaben sie zu viert die Triosonate h-moll HWV 386. Maurice Steger
spielte die vielen Verzierungen und Triller mit einer stupenden Leichtigkeit
und Brillanz. Es war faszinierend, wie er seine Atemtechnik «zelebrierte» und
damit einmaligen musikalischen Ausdruck und Klangausbeute erreichte.
Es folgte die Violinsonate D-Dur, HWV 371. Markus Fleck stand auf der Barockvioline
seinem Flötenkollegen in keiner Weise nach. Corellis Kirchensonate Nr. 8
Op. 3 in C-Dur spielte das Ensemble wieder in Vollbesetzung, die vier Sätze
teils auf der Alt- und auf der kleinen Sopranflöte.
Das Concerto XI DDur für Cembalo solo aus «La Stravaganza » war
ein echter Vivaldi. Das Allegro verlangt enorme Fingerfertigkeit und Technik
auf einem Instrument, das eher der «höfischen Musik» zugeordnet
wird. Im Largo tönte dasselbe Instrument eher wie gezupft denn wie geschlagen
und das zweite Allegro zeigt leichte, perlende und gebrochene Akkorde.
Hexentanz der Töne
Giuseppe Sammartini schrieb
seine Sonate in G-Dur für Blockflöte und
Cembalo Op. 2 Nr. 1 eher für Oboe. Maurice Steger spielte seinen enorm schwierigen
Part schlicht grossartig. Wie ein Kobold auf der Bühne wippte er in den
Knien, verschränkte die Beine, zeichnete mit dem kleinen Instrument grosse
Kreise in die Luft, «traktierte» sein Intrument in atemberaubendem
Tempo und zeigt eine gekonnte, musikalisch hochstehende Show, die das Publikum
zu Begeisterungsstürmen hinriss.
«La Follia» ist eine alte Tanzform, die oft als Grundlage für
Variationen dient. Antonio Vivaldi schrieb 19 kurze Variationen, in denen alle
vier Instrumente solistisch hervortreten dürfen. Der Einstieg erinnert an
die Sarabande von Händel, die folgenden Teile werden immer virtuoser, immer
schneller. Dazwischen folgen getragene, innige Melodien, bevor sich die vier
Musiker gegen den Schluss hin zu einem wahren Feuerwerk oder auch «Hexentanz» der
Töne steigern.
Mit «Jurindas Lied», einem melancholischen und besinnlichen Song
als Zugabe, liessen vier aussergewöhnliche Musiker einen einmaligen Konzertabend
leise ausklingen.
© Mittwoch, 16. April 2008 Linth Zeitung
Zurück zum Seitenbeginn |