Vertieft ins Spiel: Die vier Musiker des Bennewitz Quartet begeisterten die Zuhörer im Schloss Rapperswil mit ihren Klängen. (Kurt Heuberger)

Rapperswil-Jona Das Bennewitz Quartet aus Prag brillierte am 3. Schlosskonzert

Preisträger touren um die Welt

Die vier jungen Musiker Jirí Nemecek, Stepán Jezek, Jirí Pinkas und Stepán Dolezal gewannen 2008 den gewichtigen Borciani-Wettbewerb und machten am Sonntag im Rittersaal Station.

Brigitt Züger

Bereits vor zwei Jahren habe man die Gewinner des Borciani-Wettbewerbs für «Musik im Schloss» engagiert - eine Carte blanche vergeben sozusagen – ohne zu wissen, wer denn der Preisträger werde. Dies erklärte Philipp Bachofner, künstlerischer Leiter der «Musik im Schloss». Einzige Bedingung: ein Programm von heimatlichen Komponisten zu spielen. Mit den tschechischen Musikern sei heute damit auch deren Heimatland zu Gast in Rapperswil.
Jirí Nemecek / Stepán Jezek (Violine), Jirí Pinkas (Viola) und Stepán Dolezal (Violoncello) verkörpern das, was das Credo der Musik im Schloss ist: hohen künstlerischen Anspruch, Musizierfreude, persönlichen Ausdruck, eigene Interpretation und Gestaltung. Mit Leos Janáceks (1854-1928) Streichquartett Nr. 1 nach Tolstojs «Kreutzersonate» in vier Sätzen wählten die Musiker schwere Kost. Der Komponist, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, fern von zu Hause ausgebildet, wartete lange auf breite Anerkennung seiner Werke. Janáceks intensive Beschäftigung mit Tolstojs Novelle «Kreutzersonate» – Frau Kát’a Kabanová, leidenschaftliche Hauptfigur, ein geckenhafter Geiger als Verführer, die Eifersucht des Gatten und ein erschlagenes Opfer – führte zum Streichquartett Nr. 1 und wurde vom Bennewitz Quartet in seiner ganzen Zerrissenheit, aber voll brodelnder Intensität und Emotionalität glanzvoll interpretiert.
Wie aus einem Guss kam diese Musik daher, in strikter Präzision, in beseelter Zartheit und ungestüm-dynamischen Ausschlägen. «Kratzende», oft wiederholte Tonfolgen unterbrachen harmonische Passagen; zu wilder Schnelligkeit gesteigerte glitten über zu Pianissimi. Sanft endete das Werk und hinterliess ein Gefühl von enormer Dramatik.

Smetana - der taube Komponist

Mit selber Intensität spielten die Musiker das Streichquartett Nr. 1 e-Moll «Aus meinem Leben» von Bedrich Smetana (1824-1884). Romantik und Melancholie, elegante Tanzseligkeit im 2. Satz «Allegro moderato a la Polka», bewegte Herzenstöne in der Liebe und der dramatische Lebenseinbruch durch eine zwölf Jahre dauernde Taubheit kamen in vielfältiger Klangsprache zum Ausdruck. Auch hier zeigten die vier Streicher eine grosse Homogenität, berührende Zartheit und dramatische Schrille angesichts von Smetanas Verzweiflung.
Der Musikgenuss war total, die Begeisterung des Publikums herzlich. Mit prächtigen Rosensträussen beschenkt, bedankten sich die sympathischen Künstler in der Zugabe aus dem Zyklus «Zypressen» von Antonin Dvorák. Eine musikalisch hochstehende Feierstunde ging zu Ende. Das Bennewitz Quartet wird 50 Konzerte rund um die Welt bestreiten. «Musik im Schloss» war glücklicherweise eines davon.

Brigitt Züger © Dienstag, 20. Januar 2009 Linth Zeitung

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