Loten Grenzen aus (von links): Heléne Berglund, Balthasar Streiff, Ruedi Linder und Michael Büttler. (Kurt Heuberger)

Rapperswil: Das Quartett hornroh spielte im Kunst(Zeug)Haus mit expressionistischen Resonanzen

Musikalische Gratwanderung

Balthasar Streiff, Ruedi Linder, Heléne Berglund und Michael Büttler werden als Hornroh zu musikalischen Grenzgängern.

Markus Richter

Mitunter dadaistisch mutete das Konzert des Quartetts Hornroh am Sonntag im Kunstzeughaus in Zusammenarbeit mit «Musik im Schloss» an. Trotz verschiedener Konzertwerke gelten Alphörner landläufig als schweizerisches Sinnbild für traditionelle Klänge und ebensolche Werte. Balthasar Streiff, Ruedi Linder, Heléne Berglund und Michael Büttler loteten mit ihren Alphörnern – aber auch mit sogenannten Bücheln, Luren und Alpofonen – nicht nur die Grenzen der üblichen Hornklänge aus, sondern wagten sich mit ihrer Performance darüber hinaus in anspruchsvolle klangliche Randregionen vor.

Der helle, lichtdurchflutete Ausstellungssaal wurde als solcher zur Bühne für die expressionistischen Modulationen, die in drei Blöcken intoniert wurden. Der Einbezug der Architektur des Raumes liess die Erschliessung einer weiteren Dimension zu. Begrüsst wurde das Publikum etwa rein akustisch, da sich die vier Musiker mit tonalen Schreckrufen unsichtbar von der Treppe aus bemerkbar machten, um schon bald wieder hinter den Ausstellungswänden zu verschwinden.

Der erste Block wurde von Georg Haiders sogenannten Marginalien, kommentierenden Randbemerkungen, und Kompositionen von Streiff gebildet. Unzählige Stimmungen wurden in diesen vertont. Manche Stücke waren rhythmisch nachvollziehbar, andere lösten sich in offene Formen auf. Die tadellosen Ansätze der Musiker erlaubten es, harmonisch komplexe Wechsel auszuführen, die für das Publikum nicht immer leicht nachzuvollziehen waren. Dies zeigte sich am Umstand, dass zu Beginn Unklarheit darüber herrschte, wann ein dissonantes Stück denn nun beendet und Applaus angebracht war. Die musikalischen Ausdrucksformen der tanzenden und umhergehenden Künstler wurden im zweiten Teil «Gletsc: 5 glaziale Ablagerungen für 4 Alphörner in a, g, f» geradezu avantgardistisch. Der renommierte Kulturschaffende Mischa Käser, der mehrfach an der Kantonsschule Ausserschwyz mit Jugendlichen Theaterprojekte gestaltete, komponierte dieses Stück als Auftragskomposition für Hornroh für das Lucerne Festival 2009. Programmatisch wird darin die Klimaerwärmung, die im Liedtitel die Buchstaben h, e und r bereits weggeschmolzen hat, auf fordernde Weise vertont.

Die drei abschliessenden Stücke Streiffs («Zoom», «Transformator» und «Lioba») entfalteten sich danach als vergleichsweise geradezu leichte Kost, ohne je die abstrakte Ebene zu verlassen. Das zahlreich erschienene Publikum erwies sich als experimentierfreudig, liess sich auf das spezielle Erlebnis ein und zollte den Künstlern mit anhaltendem Applaus Respekt.

Markus Richter © Dienstag, 2. Februar 2010 ZSZ Obersee

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