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Zum Wohl: Nach dem Konzert stossen Philipp Bachofner (links) Musikalischer Koloss im Rapperswiler SchlossDie Goldberg-Variationen gehören zu Bachs absoluten Meisterwerken. Ebenso meisterlich interpretierte sie Cembalist Andreas Staier am Sonntagabend in der Reihe Musik im Schloss in Rapperswil. Von Renate Ammann Rapperswil-Jona – Noch ist kein Ton gespielt, doch schon jetzt bilden bereits der altehrwürdige Rittersaal und der Anblick des nach einem Vorbild von Bachs «Dienstinstrument» gebauten herrlichen Cembalos eine vollkommene visuelle Einheit. Im Fünfminutentakt erscheint der Cembalostimmer für die letzten Tests auf der Bühne, genau beobachtet von den zahlreich erschienenen und erwartungsvollen Konzertbesuchern. Tiefe Gefühlsoffenbarung Es ist nicht nur Barockmusik vom Feinsten, die mit Johann Sebastian Bachs
Goldberg-Variationen auf dem Programm stehen. Es handelt sich zudem um
einen musikalischen Koloss von mehr als eineinhalbstündiger Dauer, dem
sich der deutsche Cembalist Andreas Staier von der ersten bis zur letzten
Sequenz mit grösster Leidenschaft widmet. Vor allem aber gelingt
es ihm, seine Zuhörer auf eine wunderbare Reise durch Bachsche Kunst
mitzunehmen. Die eröffnende Aria, aus der sich die 30 Variationen
entwickeln, wird von Staier in zügigem, aber durch die grosse Präzision
in nicht überhastet wirkendemTempo dargeboten. Fast gleicht sie dem Grundstein
einer musikalischen Architektur. In atemberaubender Fingerfertigkeit «baut» Staier
über die heitere Variante eins eine genial quirlig interpretierteVariation
fünf und eine herrlich innige Variation neun. Immer wieder
ist das Ohr überrascht vom silbernen Timbre des Instrumentes, dem metallischen
Klang der Akkorde und geblendet vom Glanz und dem geheimnisvollen Summen. Hinreissende Klangfülle Den höchsten Ansprüchen, die der Komponist an den Interpreten stellt, wird Staier nicht minder in Variation 25 gerecht, die an Qualen und Leidensfähigkeit kaum zu überbieten ist. Von hinreissender Klangfülle sind die letzten Variationen geprägt, bis mit der einleitenden, wunderbar sensibel und nuanciert gespielten Aria dieses künstlerische Gebäude vollendet ist. Wenn Philipp Bachofner, Initiator der Konzertreihe Musik im Schloss, zu Beginn erwähnt, Andreas Staier habe das Cembalo salonfähig gemacht und seinen Zuhörern Zugang zu den Goldberg-Variationen geschaffen, hat er wahrlich in keiner Weise übertrieben. Renate Ammann © Dienstag, 16. März 2010 Südostschweiz Gaster und See |